Heinz Habegger: „Im Schwingen lernst du aufzustehen und weiterzukämpfen“

Das Emmentalische Schwingfest 2020 in Trubschachen ist eines der letzten grossen Ziele von Schwinger Heinz Habegger. Im Interview spricht er über das Fest und die schwierigste Phase seines Lebens.

Heinz, du bist Götti vom Siegermuni des Emmentalischen Schwingfests 2020. Welchen Stellenwert hat dieses Fest für dich als Schwinger?
Heinz Habegger: Einen sehr hohen Stellenwert. Am „Emmentalischen“ 2013 bei uns im Trub konnte ich wegen einer Verletzung nicht teilnehmen. 2002, als das Fest ebenfalls im Trub stattfand, war ich noch zu jung. Und am „Emmentalischen“ 2007 in Trubschachen gewann ich zwar den letzten Gang, verpasste den Kranz trotzdem knapp. Nun freue ich mich auf Trubschachen 2020, trainiere sehr auf diesen Anlass hin. Natürlich möchte ich am Abend kranzgeschmückt nach Hause gehen können.

Wie trainiert ein Schwinger im Winter?
Jeweils am Dienstag- und Donnerstagabend sind wir im Schwingkeller. Am Montagabend gehe ich ins Fitnesscenter ins Kraft- und Ausdauertraining. Zudem trainiere ich regelmässig daheim mit den Langhanteln. Aber nur mit Krafttraining lernst du nicht schwingen. Für die Technik ist und bleibt das Training im Schwingkeller das Wichtigste.

Welches sind deine Ziele für die kommende Saison?
Wie es aussieht, werde ich nicht mehr die ganze Saison durchschwingen. Am Abeschwinget Fankhaus im Sommer werde ich voraussichtlich aufhören. Bis dahin möchte ich voll trainieren, alle anstehenden Kranz- und Bergfeste bestreiten. Schön wäre, wenn ich am „Emmentalischen“ den Kranz gewinnen könnte – es wäre mein dreissigster.

Wie geht es dir gesundheitlich?
Mir geht es sehr gut, Danke. Das einzige „Bräschteli“ ist die rechte Hüfte, die mir manchmal etwas Schmerzen bereitet. Aber sonst ist alles tipptopp.

2015 wurdest du mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Das war ein einschneidender Moment.
Ja. Ich wusste schon vor der Diagnose, dass etwas nicht stimmt mit mir. Danach folgten die Abklärungen beim Hausarzt und im Spital. Mit Krebs habe ich trotzdem nicht gerechnet. Aber ich denke, ich darf sagen, dass ich ein aufgestellter, positiver Mensch bin. Dadurch habe ich diese Krankheit gut überstanden. Geholfen hat mir auch das Schwingen, dort hast du ebenfalls mit Niederlagen und Siegen zu tun. Es ist eine Lebensschule: Du lernst, dass du aufstehen und weiterkämpfen musst.

Hat dich die Krankheit als Mensch verändert?
Ja, du schaust das Leben anders an. Unmittelbar nach der Diagnose stellte ich mir das noch nicht so schlimm vor. Erst im Nachhinein bin ich mir bewusst geworden, wie grosses Glück ich habe, dass ich noch da bin. Es gibt viele Menschen, die an Krebs sterben.

Du bist auch Jungschwingerleiter beim Schwingklub Trub. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gibt einem sehr viel, gäu…
Das ist super. Wir sind eine grosse Truppe mit etwa 40 Jungschwingern. Die ältesten haben Jahrgang 2005, die jüngsten 2014. Zwischendurch muss man auch streng sein mit ihnen, damit es kein „Glauer“ gibt. Aber es macht wirklich sehr grossen Spass.

Als Schwinger und Jungschwingerleiter betreibst du praktisch den gleichen Trainingsaufwand wie ein Profisportler, dazu führst du einen Bauernbetrieb. Wie bringst du das alles unter einen Hut?
2017 haben wir einen neuen Stall gebaut und den Betrieb auf Mutterkühe umgestellt. Beides war eine grosse Erleichterung. Zudem sind meine Eltern gut zwäg und helfen sehr viel. Wenn sie nicht wären, würde ich das sicher nicht alles schaffen. Aber eigentlich habe ich nie etwas anderes gekannt.

Apropos Stall: Wenn du am „Emmentalischen“ 2020 den Siegermuni gewinnst – nimmst du ihn mit nach Hause?
Ich denke eher nicht. Ich habe Mutterkühe der Rasse Grauvieh. Der Siegermuni würde da nicht so gut hineinpassen. Eigentlich schade, denn der Muni ist wirklich sehr schön. Ein Prachtskerl.

Interview: Markus Zahno