Michelle Moser: „Die Leute schätzen, dass wir Jungen die alte Tradition weiterpflegen“

Jodlerin Michelle Moser hat bei Trubschachen 2020 gleich zwei Rollen: Sie ist Gotte des Siegermunis sowie Ehrendame. Im Interview erzählt sie, warum sie gerne jodelt – und warum bei Auftritten in Altersheimen manchmal auch Tränen fliessen.

Michelle, bis zum Schwingfest/Jodlertreffen 2020 dauert es noch vier Monate. Wie präsent ist das Fest bereits bei dir?
Michelle Moser: Sehr präsent. Da ich auch noch Ehrendame sein werde, hatte ich im Vorfeld schon einiges mit dem Fest zu tun. Zum Beispiel stand kürzlich der Fototermin für den Festführer an.

Welche Aufgaben hat man als Ehrendame an einem Schwingfest?
Ich habe noch keinen Aufgabenkatalog bekommen. Am Schluss des Schwingfestes werden wir die Kränze verteilen, das ist sicher das Grösste für eine Ehrendame. Ansonsten nehme ich an, dass wir einfach den ganzen Tag da sein müssen – und immer schön lächeln.

Erzähl uns doch bitte: Wer bist du?
Ich komme aus dem Hämelbach bei Trubschachen, bin 20-jährig und habe im Sommer meine Lehre als Fachfrau Betreuung im Behindertenbereich abgeschlossen. Im Herbst war ich für zwei Monate in Kenia, habe dort in zwei Kinderheimen gearbeitet. Neu bin ich bei der Stiftung LebensArt in Bärau angestellt. In meiner Freizeit leite ich die Kleinsten der Jugi Trubschachen. Sehr wichtig ist für mich das Musizieren – das Klavierspielen und Örgelen – und natürlich das Singen. Wir treffen uns einmal pro Woche zum Proben, dazu kommen die Auftritte.

Du bist Mitglied des Jodlerchörlis „Gränzelos“. Dort seid ihr sieben Leute zwischen 15- und 20-jährig. Wie ist eigentlich dieses Chörli entstanden?
Das war so: Die Kollegen, die in unserem Chörli singen, waren schon vorher in einem Kinderchörli oder sonst einem Jodlerklub aktiv. Wenn wir zusammen in den Ausgang gehen, ist es immer lustig, ab und zu kommt es vor, dass man auch zusammen singt. Irgendwann hatte ich die Idee, dass wir uns zusammentun könnten. Wir machten mal an einem Dienstagabend ab, sangen, und beschlossen, ein Chörli zu gründen. Am Anfang waren wir vier Frauen, nachher sind noch drei Männer dazu gestossen, damit wir Verstärkung im Bass haben. Bei den Proben sind immer alle dabei, das ist schön.

Was ist das Schöne am Jodeln?
Die Texte sind sehr vielseitig. Einerseits geht es in den Liedern ums Daheim, um frühere Zeiten. Andererseits ist auch das Rassige, das Moderne im Trend. Ich denke, die Leute schätzen, dass wir Jungen die alte Tradition weiterpflegen und dabei auch moderne Elemente einbauen.

Wenn ihr als junges Chörli einen Auftritt in einem Altersheim habt: Das gibt vermutlich euch wie auch den Seniorinnen und Senioren Kraft.
Da gibt es viele schöne Momente. Für die älteren Menschen ist es manchmal aber auch schwierig. Denn es gibt viele Lieder, die von früher handeln und wie schön es doch damals war. Wenn die Leute im Altersheim das hören, wird ihnen bewusst, dass es nie mehr so sein wird, dass sie nun in ihrem letzten Lebensabschnitt sind. Das sorgt manchmal auch für Tränen.

Noch zum Schwingen: Welchen Bezug hast du zu dieser Sportart?
Mein bester Kollege, Samuel Geissbühler, schwingt. Auch andere Schwinger wie Lukas Leuenberger oder Lars Zaugg kenne ich gut. Da ist es klar, dass man die Schwingfeste besucht.

Dein Tipp: Wer gewinnt das „Emmentalische“ 2020?
Ich hoffe natürlich auf Heinzu Habegger, den Munigötti. Ich möchte es ihm von Herzen gönnen. Aber es steht halt in den Sternen. Nehmen wirs, wies kommt.

Interview: Markus Zahno