Die Eidgenossen aus Trubschachen

Bei den Frauen konnte Trubschachen schon sechs Schwingerköniginnentitel feiern. Ruth Wüthrich gewann die Auszeichnung 1993, Brigitte Burri-Kunz von 2006 bis 2011 sogar fünf Mal. Bei den Männern reichte es bisher noch keinem „Schächeler“ zum Königstitel. Immerhin drei Eidgenössische Kranzschwinger hat das Dorf aber bereits hervorgebracht – eine beachtliche Bilanz für eine Gemeinde mit knapp 1500 Einwohnern.


Peter Wüthrich

Wenn Peter Wüthrich am Boden in misslicher Lage war, pflegte man zu sagen: „Jetzt ist es ihm wohl.“ Der 1,72 Meter grosse Bodenspezialist war ein zäher und verteidigungsstarker Schwinger, der manchen Bösen zur Verzweiflung brachte. Doch auch offensiv hatte er Qualitäten. Vor allem Brienzer, Schlungg und ein gelegentlicher Kniestich brachten ihm Erfolg. Peter ist der kleinste Eidgenosse der letzten 20 Jahre und holte total 23 Kränze.

Aufgewachsen im Mittler Brammer in Trubschachen, stammt Peter Wüthrich aus einer schwingbegeisterten Familie. Er ist der Bruder von Schwingerkönigin Ruth Wüthrich und der Cousin von Eidgenosse Willy Graber. Mit zehn Jahren trat Peter dem Schwingklub Trub bei. Einen grossen Auftritt hatte er am Kemmeribodenschwinget 1993, als er die Treichel für den Festsieger entgegennehmen konnte.

1998 waren die Vorzeichen nicht gerade verheissungsvoll. Wegen gesundheitlicher Probleme und weil er zuhause beim Umbauen mithalf, musste das schwingerische Training hinten anstehen. Trotzdem sollte es ein einmaliges Jahr werden. Am Eidgenössischen in Bern gelang ihm schon im dritten Gang ein Ausrufezeichen, als er den Eidgenossen Urs Sattler bezwang. Im letzten Gang gegen den Bündner Routinier Thomas Gosswiler ging es dann um den Kranz. Es entwickelte sich ein intensiver Kampf, den Peter Wüthrich in letzer Minute gewinnen konnte. Im achten Rang durfte sich Peter zum Eidgenossen krönen lassen.

Wegen eines angeborenen Hüftfehlers musste Peter Wüthrich dann einen operativen Eingriff über sich ergehen lassen und verpasste die Schwingerjahre 1999 und 2000. Dank seines grossen Willens gelang ihm die Rückkehr auf die Schwingplätze im Jahr darauf. Da die Hofübernahme bevorstand, beendete Peter seine Karriere am bernisch-kantonalen Jubiläumsschwingfest in Büren. Dem Schwingen blieb er erhalten – als Kampfrichter und Technischer Leiter des Schwingklubs Trub.


Jakob Rentsch, 1901-1971

Alfred, Jakob und Simon Rentsch vom Krümpelhüttli in Trubschachen waren erfolgreiche Brüder. Jakob Rentsch siegte 1923 am Emmentalischen Jubiläumsschwingfest in Burgdorf. 1925 wurde er am Bernisch-Kantonalen Jubiläumsschwingfest in Bern Zweiter. 1926 gelang ihm am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Luzern ein glänzender Wettkampf: Er belegte den vierten Rang und gewann den begehrten Kranz. Später war Jakob Rentsch Kampfrichter und langjähriges Vorstandsmitglied des Emmentalischen Schwingerverbandes. Zusammen mit seinem Bruder Simon (1897-1985) bewirtschaftete Jakob den elterlichen Hof.


Alfred Rentsch, 1899-1946

Sogar noch erfolgreicher als seine Brüder war Alfred Rentsch. Er holte sich verschiedene Tagessiege, unter anderem am Emmentalischen 1924 und 1925, am Oberländischen 1927 und am Oberaargauischen ebenfalls 1927. Sein grösster Erfolg aber war das Eidgenössische 1926 in Luzern. Nur gerade einen Viertelpunkt hinter Schwingerkönig Henri Wernli belegte er den zweiten Platz. Den durchaus möglichen Königstitel verpasste Alfred durch die Niederlage im siebten Gang gegen Fritz Hagmann, als sein Lätz gekontert wurde. 1928 beendete er seine Karriere, 1929 zog er nach Landiswil. Mit 47 Jahren verstarb Alfred Rentsch an einer Zuckerkrankheit.

Texte: Marcel Reber
Bilder: Archiv, Jürg Rentsch